Interview: A smart city starts with its citizens

Raimund Neubauer is a cleantech entrepreneur. He shares his insights on how to create greener, more livable, human-centric cities.

Kennen Sie Ihr wahres Unternehmenspotenzial?
Zu tief im Tagesgeschäft begraben um Innovation umzusetzen?
Sie möchten mehr Experimentieren und weniger Lamentieren?
Sie benötigen strategische Grundlagen um die Zukunft Ihres Unternehmens nachhaltig gestalten zu können?


Lassen Sie uns gemeinsam eine Reise antreten

Hallo Ray, du bist heute in unterschiedlichen Kapazitäten als Cleantech Business Developer und Projekt Manager tätig. Insbesondere deinEngagement bei Solarify und Kickstart nehmen dabei wohl den grössten Teil deiner Zeit ein.

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Wie ist es zu diesen Engagements gekommen und was treibt dich insbesondere an, um jeden Tag dein Bestes zu geben?

Mich fasziniert das «Bauen» neuer Unternehmen und Produkte, insbesondere im Energie-und Smart City Bereich. Was mich also jeden Tag aufs Neue antreibt, sind die vielen spannenden Ideen innovativer Startups, welche ich durch meine mittlerweile sehr breite Erfahrung auf dem Weg von der Idee zum Produkt unterstützen kann.

Letztendlich möchte ich so dazu beitragen, dass wir den hohen Lebensstandard, welchen wir in der Schweiz haben, beibehalten und gleichzeitig unsere Ressourcennutzung deutlich reduzieren können.

 

Du bist dabei mit Solarify ein Startup aufzubauen. Was sind aktuell die grössten Herausforderungen in diesem Zusammenhang?

Solarify ist ein Startup zur Finanzierung von Solaranlagen durch das Zusammenbringen von Kleininvestoren und Dachbesitzern. Wir treiben also seit der Gründung von Solarify durch unseren CEO Aurel Schmid im Februar 2016 ein innovatives Geschäftsmodell im Energiemarkt voran.

Nun ist es jedoch so, dass zum einen in der Schweiz kein grosser «Leidensdruck» herrscht und somit der Themenkomplex Innovation oft nur sehr zögerlich angegangen wird. Zudem haben wir in der Schweiz nur einen teilweise geöffneten Strommarkt (Stromkunden mit einem Verbrauch unter 100 MWh können ihren Stromanbieter noch nicht frei wählen). Da Monopole immer Innovation behindern, bewegen wir uns in einem sehr schwierigen Umfeld, wo sich die Herausforderungen für innovative Lösungen sozusagen quadrieren.

Kurz zusammengefasst – Solarify würde gerne verstärkt mit Elektrizitätswerken zusammenarbeiten, um mit unserem Geschäftsmodell (ggf. auch im «White Labeling») eine Möglichkeit für private Kleininvestoren zu schaffen, direkt in erneuerbare Energie zu investieren. Dies käme letztendlich auch den Elektrizitätswerken zugute, da diese in einem zukünftig voll liberalisierten Strommarkt diversifizieren und neue, attraktive Angebote für den Endkunden generieren müssen.

Unsere Beobachtung diesbezüglich ist, dass bereits einige Versorger die Zeichen der Zeit erkannt haben. Daher befinden wir uns momentan in konkreten Gesprächen für eine Zusammenarbeit mit verschiedenen Elektrizitätswerken. Dennoch haben wir bei vielen Versorgern etwas Mühe, mit den Entscheidern in Kontakt zu kommen und diese in einem zweiten Schritt für eine Zusammenarbeit zu überzeugen – ich habe einmal das Argument gehört. «Selbst wenn wir keine einzige kWh Strom mehr verkaufen, haben wir immer noch unser Netz von dem wir leben können.» Innovation sieht natürlich ganz anders aus.

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Wie sieht unsere Energiezukunft aus?

Die Sonne sendet alle 5 Minuten die Energiemenge zur Erde, welche die Menschheit in einem Jahr benötigt – und zwar alle Energieträger inklusive. Selbst mit Photovoltaik und einem Wirkungsgrad von 20% liesse sich unser Energiebedarf durch intelligente Verteilung, Verbrauch und Speicherung problemlos decken. Leider graben wir zurzeit allerdings zusätzlich noch in fossilen Energieträgern gespeicherte Solarenergie vergangener Erdzeitalter aus dem Boden aus, um diese zu verheizen.

Eine Vollkostenbetrachtung würde bereits heute die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger hervorheben

Um dem Klimawandel zu begegnen und vor 2050 Netto-Null Emissionen zu erreichen, muss unsere Energiezukunft erneuerbar sein. Die dafĂĽr notwendigen Technologien sind heute bereits vorhanden und oft auch kostengĂĽnstiger, wenn der gesamte Lebenszyklus betrachtet wird und die Wirtschaftlichkeit auf gleicher Basis berechnet wird (d.h. ohne die existierenden, versteckten Subventionen fĂĽr fossile und atomare Energieerzeugung). Mein Eindruck ist, dass oft der politische Wille, respektive der politische Konsens fĂĽr eine emissionsneutrale Energiezukunft fehlt. Dennoch bin ich ĂĽberzeugt, dass wir uns letztendlich fĂĽr eine erneuerbare Energiezukunft entscheiden werden mĂĽssen.

 

Das Thema Smart City scheint seit Jahren einen Hype zu erleben. Wo stehen aus Deiner Sicht Schweizer Städte auf dem diesem Weg?

In Schweizer Städten gibt es bereits viele erfolgreiche Smart City Pilotprojekte. Allerdings beobachte ich bei Kickstart immer wieder, dass der Weg vom Piloten zum breitenwirksamen Roll-Out von innovativen Technologien und Produkten oftmals nicht oder nur unzureichend gelingt. Durch den hohen Lebensstandard, welchen wir zweifelsohne in der Schweiz haben, ist uns meines Erachtens leider der Pioniergeist und der Mut für Neues teilweise etwas abhanden gekommen.

Der erste Schritt in Richtung smarter Städte ist gemacht und die nötigen Technologien sind vorhanden. Der konsequente zweite Schritt fehlt aber oftmals noch.

 

Welche Tipps würdest Du einer Stadtverwaltung ohne dedizierte Smart City Strategie geben, um sich optimal auf die Zukunft vorbereiten zu können?

Es gibt in der Schweiz viele Städte und Gemeinden, die sehr gute Smart City Strategien definiert haben und diese nun implementieren. Allerdings bleibt auch in diesen Fällen oftmals der Wille der Bevölkerung etwas aussen vor. Letztendlich lassen sich Smart City Projekte nur umsetzen, wenn diese in der breiten Bevölkerung abgestützt sind. Zudem unterscheiden sich die Anforderungen an eine Smart City Strategie je nach Region und auch Grösse der Gemeinde oder Stadt.

Gemeinden und Städten ohne Smart City Strategie würde ich daher empfehlen, über Netzwerke und entsprechende Programme und Vereine zunächst eine Übersicht der «Best Available Practices» zu erstellen und diese mit den Bedürfnissen und Wünschen der lokalen Bevölkerung zu spiegeln. Aus diesen Erkenntnissen kann dann eine entsprechende Strategie abgeleitet werden, auf deren Basis die Implementierung der Smart City über Pilot- und Innovationsprojekte beginnen kann. In einem dritten Schritt muss dann der Übergang vom Piloten zum Roll-Out erfolgen.

 

Gibt es spezifische Methoden, Tools oder Smart City Hacks, welche du empfehlen wĂĽrdest?

Wie bereits erwähnt, gibt es viele sehr gute und erfolgreiche Smart City Pilotprojekte in der ganzen Schweiz und auch international. Diese können als «Best Practice» Beispiele für eine gute Orientierung hinsichtlich technischer und finanzieller Machbarkeit von Produkten und Dienstleistungen gelten. Letztendlich können Programme wie Kickstart Innovation und Vereine wie die Smart City Alliance Städte im gesamten Prozess des Aufbaus einer Smart City unterstützen.

Das Programm von Kickstart Innovation bringt internationale «later-stage» Startups mit etablierten Schweizer Unternehmen und Städten zusammen, um Pilotprojekte zu initiieren. Das Ergebnis sind Showcases, welche dem Startup einen Zugang zum Schweizer Markt ermöglichen und dem etablierten Unternehmen und/oder der Stadt innovative Lösungen für konkrete Problemstellungen aufzeigen.

 

Kickstart Innovation bringt Behörden und etablierte Unternehmen mit Startups zusammen.

Die SmartCity Alliance hingegen versteht sich auf der einen Seite als Marktplatz, um etablierte Technologieanbieter und Städte zum Roll-Out von Smart City Projekten zusammenzubringen. Ausserdem soll über verschiedene Massnahmen, wie beispielsweise das «Smart City Approved» Label und die «Smart City Toolbox», die Qualität von Produkten und Dienstleistungen gewährleistet werden, um die technologischen und finanziellen Unsicherheiten hinsichtlich neuer Produkte für  Schweizer Städte zu verringern.

Kollaboration und Austausch sind für die Umsetzung von Innovationsprojekten und auch den Roll-Out von Technologien von grösster Bedeutung, denn niemand baut die Smart City alleine.

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Was war deine bislang schwerste Entscheidung, wenn du auf deinen bisherigen Werdegang zurĂĽckschaust?

Eine sehr prägende Entscheidung war im Jahr 2014 mein Entschluss, eine sichere und gut bezahlte Position in einem grösseren Schweizer Unternehmen gegen ein persönliches Engagement in der dynamischen und vermeintlich unsicheren Startup-Welt einzutauschen. Ich habe diese Entscheidung jedoch trotz geringerem Gehalt und vermeintlich grösserer Unsicherheit nie bereut. Im Gegenteil komme ich durch mein Engagement bei Solarify und auch meiner Mitarbeit im Kickstart Innovation Programm täglich mit deutlich mehr spannenden Personen und technischen Innovationen in Berührung. Letztendlich vermag dies meine Neugierde zu stillen und meinen persönlichen Erfahrungsschatz und mein Netzwerk deutlich zu erweitern, was mich persönlich sehr befriedigt und antreibt.

 

Was macht Raimund Neubauer in 20 Jahren?

Im Jahre 2039 befindet sich die Welt bereits auf einem guten Weg zur Emissionsneutralität und grösstenteils geschlossenen Stoffkreisläufen. Dies, da in den 2020-er Jahren die Weltbevölkerung mit einer Übereinkunft verbindliche politische Ziele zum Klimaschutz definiert hat, die seitdem auch konsequent von allen Ländern verfolgt werden. Parallel hierzu wurden, durch den breiten Roll-Out von innovativen Technologien internationaler Startups und etablierter Unternehmen sowie einer konstruktiven Zusammenarbeit aller Akteure, deutliche Fortschritte hinsichtlich der Implementierung von Smart Cities erzielt.

Da inzwischen auch die Vorteile eines bedingungslosen Grundeinkommens und des Fokussierens auf gesamtgesellschaftlich wirklich relevante Berufe allgemein anerkannt wurden, werde ich in 20 Jahren immer noch die Möglichkeit haben, durch meine Erfahrung neue Ideen von innovativen Startups in erfolgreiche Produkte zu überführen, was aber nicht mehr zwangsläufig im Energie- und/oder Smart City Bereich stattfinden muss.

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